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Signalkontrolle Flehmen

Lippe riskieren…?

Lohnt es oder lohnt es nicht?

Die Frage stellt sich DC regelmäßig, seit ich nach vier Jahren Wartezeit eine seltene Gelegenheit ergriffen hatte, das Flehmen bei ihr einzufangen.

Einzufangen? Klingt recht martialisch, ist aber nur ein Fachausdruck dafür, ein zufällig gezeigtes Zielverhalten zu verstärken – ähnlich wie beim Einfangen eines goldenen Moments mit einem Fotoapparat.

Da DC fast nie flehmt, sich dieses Verhalten auch nicht durch Geruchstrigger oder Lippe kitzeln auslösen ließ, hatten wir den Lippenroller all die Jahre nicht im Programm.

Kein Wunder also, dass ich die Gelegenheit mit beiden Händen beim Schopfe gepackt habe, als DC bei einem Inhalator-Test mehrfach nacheinander flehmte. Click! Wohl wissend, welchen „Pferdefuß“ wir uns durch das Einfangen einfangen. Denn ähnlich wie beim geshapten Verhalten bekommt das Pferd spontan den Eindruck, dass das neue Verhalten IMMER gut ist. So scheint es ja zunächst auch zu sein. Wie viele Pferde leben dauerhaft in diesem Irrglauben und spulen ihr gesamtes Repertoire bis zum Umfallen ab, sowie ein Mensch in der Nähe ist? Und werden nicht selten rappelig dabei. 

Um DC diesen Frust, sich nutzlos abzurackern, künftig zu ersparen, haben wir ein Geheimzeichen fürs Flehmen vereinbart: Ein Doppelclick auf die Oberlippe mit einem himmelwärts weisenden Arm. Nun kann sie ganz entspannt abwarten, bis „Flehmen“ wirklich dran ist, ohne stundenlang blind herumprobieren zu müssen. Click!

Gelassenheitstraining mit Fliegendecke

FLIEG(en), DECKE!

Verkürzen einer Triggerliste

Viele glückliche Pferdebesitzer werfen ihren Pferden Decken über und ziehen ihnen Fliegenmasken an, ohne dass das Tier auch nur mit der Wimper zuckt. Beneidenswert.

Andere glückliche Pferdebesitzer erhalten tagtäglich eine kostenlose Lektion in Achtsamkeit und guter Beobachtungsgabe von ihren geliebten Vierbeinern. Häufig kennt diese zweite Gruppe das Weiß in den Augen ihrer Pferde besser als das Weiß im Frühstücksei, und nicht selten gehört der Anblick des dekorativ wehenden Schweifs am sich entfernenden Ponypo zu ihrem Alltag.

Glücklicherweise muss es nicht dabei bleiben. Auch wenn Zitate etwas altbacken wirken, finde ich an dieser Stelle eines aus der T.O.P.-Trainer-Welt sehr passend: Verhalten ist plastisch. Es ist veränderbar.

Wir – Mensch und Tier gleichermaßen – können lernen, auf bestimmte Reize oder in speziellen Situationen anders zu reagieren als bisher.

Das gilt zum Glück auch für Alltagssituationen und Medical Training. Für Zuschauer ist so ein Training gähnend langweilig anzusehen. Denn von außen betrachtet passiert gar nichts bahnbrechend Spannendes, wenn die Trainingsschritte im Optimalfall einen Hauch unterhalb der persönlichen Reaktionsschwelle des Pferdes bleiben. Das unglaublich Bahnbrechende passiert im Pferdehirn, wenn anfänglich gruselige Reize Schritt für Schritt neu verknüpft werden mit etwas Angenehmen, Schönem, und am Ende gar Freude auslösen können statt des stereotypen Fluchtreflexes.

In diesem Sinne widme ich die „FLIEG(en), DECKE!“ all jenen, die sich im Moment ein bisschen Zuspruch und eine strahlend helle Sonne am Ende des kürzer werdenden Tunnels wünschen 🙂

Hintergrund (keine Videoaufnahmen vorhanden)

Dísas Reaktion zu Beginn unserer Beziehung:

Starke Anspannung, Ausweichen (soweit möglich) bis hin zum blitzartigen Wegspringen und Flucht bei Annäherung des Menschen mit einer Decke auf dem Arm (vor allem, wenn die Decke womöglich noch leise schwingt, oh Graus).

Dísas Haupt-Trigger bei der Fliegendecke:

  • unerwartete/schnelle Bewegungen der Decke und/oder Berührungen durch die Decke am Körper, besonders an den Beinen
  • Geräusche (hier das Klingeln der Schnallen an der Decke), besonders innerhalb der rückwärtigen Halbkugel ihrer Sensorik
  • Etwaige, individuell empfundene Bewegungseinschränkungen durch das Textil.
Social Distancing bei der Hufbearbeitung

Social distancing zum Schutz

Plus-R auf Distanz

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Im Moment bedeutet es, aus gesundheitlichen Sicherheitsgründen Abstand zu halten zu seinen Mitmenschen. Das gilt natürlich auch für unsere Hufzauberin.

Eine mögliche Lösung in der konventionellen Pferdewelt ist, das Pferd anzubinden und wegzugehen.

Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden und trainieren unseren liebsten Siemens-Lufthaken auf Distanz.

Zur Anwendung kommt die Nowitzki-Technik zur Einhaltung eines 2-Meter-Abstands zum Pony, damit unsere Hufzauberin unbesorgt arbeiten kann.

Pony-Kracher Teil 10

Pony-Kracher Teil 10

DC, do it yourself!

Ja, kaum zu glauben, wir hühnern noch immer mit der PET-Flasche herum. Weil mir vom Zusammendrücken der Flasche die Hände lahm werden, bitte ich DC um Mitarbeit. Sie kann den Lärm zu Übungszwecken ja auch mal selbst erzeugen. Es gibt im Internet Präzedenzfälle dazu.

Doch das geht aus ihrer Sicht zu weit. Außerdem haben wir eine Wahnsinns-Belohnungsgeschichte auf Dauer am generalisierten Nasentarget. Die Idee dahinter war natürlich super: Wir können nahezu beliebige aus ihrer Umgebung herausstechende Dinge zum Ponyparkplatz machen. Es hat uns auch hervorragende Dienste in DCs Selbst-Desensibilisierung geleistet.

Doch wie’s im Training halt immer so ist – früher oder später bekommt man die tolle Gelegenheit, sich mit den stets vorhandenen Nachteilen seiner Trainingshistorie auseinander zu setzen. Dieser Moment ist jetzt. Statt mit der Flasche Geräusche zu machen, hält Dísi ihr entzückendes Näschen an das Plastik und wartet mit gespitzten Ohren. Worauf? Auf den Click, der beim Daueraufbau bekanntlich mit zum Teil erklecklicher Verzögerung kommt.

Ein bisschen Locken hilft uns über diesen unseligen Punkt hinweg. Mehr als einmal. Mit einem hübschen Mix aus Locken, Shapen und Einfangen erkläre ich dem Islandmädchen, dass in dieser Runde „Do-it-yourself-Lärm“ gefragt ist. Bis daraus allerdings ein promptes, zuverlässiges Verhalten wird, werden wir noch ein paar Male auf die Flasche treten müssen.

Pony-Kracher Teil 9

Pony-Kracher Teil 9

„Was machst du da…?“

Nur weil das Flaschengeknister überm Ohr ok ist (Pony-Kracher 8), heißt das aus DCs Sicht noch lange nicht, dass die Flasche unterm Bauch nicht doch plötzlich gefährlich werden könnte. Ihr misstrauisch abgeklapptes Ohr und die Bogenspannung in Hals und Kopf sprechen Bände.

Und selbst wenn ich nicht in der Lage wäre, ihre Körpersprache zu verstehen, hätte ich immer noch das Kooperationssignal – oder vielmehr: Ich hätte es eben nicht. Bei der Evaluierung „Flasche unterm Bauch“ entfernt sich die Ponynase flugs vom Püschel. Meine Arbeitsampel springt auf rot.

Weiß der Wüstenwind, was DCs Memory-Moleküle über solche oder ähnliche Situationen abgespeichert haben mögen – über das Geräusch, die Armbewegung oder beliebige andere Aspekte der aktuellen Szene. Über einen großen Teil ihres Lebens weiß ich so gut wie nichts. Spielt auch keine große Rolle; wir schauen uns an, wo wir heute stehen, und arbeiten von hier aus Richtung Zukunft.

Diese Zukunft beinhaltet, dass ich wenig später grünes Licht für Flaschenknistern unterm Bauch bekomme.

Silvesterchallenge

Pony-Kracher Teil 7

Konservenfeuerwerk

Geräusch Nr. 7 ist Feuerwerk aus der Konserve. Der Tag birgt eine Extra-Challenge: das Wetter zeigt sich ausgesprochen norddeutsch mit kräftigen Regenschauern und heftigen Windböen, soll sagen, dem Pony quellen die Schreckhormone eh schon aus den Ohren heraus.

Als weise Trainerin drehe ich den Lautstärkeregler herunter und beginne mit einem Volumen, das ich gerade eben noch hören kann über dem sturmgesteuerten Gepolter außerhalb des Unterstands. So sind wir auf der berühmten sicheren Seite. Ist meine feste Überzeugung.

Doch dann kommt das Pony ins Spiel und demonstriert eindrucksvoll, dass Pferde sehr viel bessere Ohren haben als Menschen. Bei DC herrscht Alarmstufe Rot.

Innerlich den Kopf schüttelnd, wie weit ich mit meiner ursprünglichen Einschätzung daneben lag, regele ich das Volumen runter. Und weiter runter. Und noch weiter runter, bis das entzückende Ponymädchen wieder bei mir ist. Ich selbst höre bei der geringen Lautstärke – nichts. Rein gar nichts. Doch an DCs Mimik, ihren Ohren, ihrer Körperspannung und -haltung lässt sich mühelos ablesen, dass sie aus ihrer persönlichen Sicht noch immer GANZ VIEL hört, es nun aber aushalten kann.

Von dort schrauben wir uns Runde um Runde wieder hoch, bis die Schallkombi aus Handy und Aktivbox an ihre Grenzen kommt.

Pony-Kracher Teil 6

Schreck-Analyse

Das Geräusch Nummer 6 in der Steigerwald.T Silvesterchallenge ist ein Blockflötenkopf. Ein unangenehmes Geräusch, das auf der Unerträglichkeitsskala gleich hinter Geigenanfänger kommt und die Altvorderen in den Wahnsinn treiben konnte, als Blockflöten in unserem Haushalt noch aktuell waren.

Der Start macht sich ganz gut, obgleich ich feststelle, dass mein laienhaftes Blasinstrumentenspielertalent nicht ausreicht, um gezielte, kontrollierte Pfiffe zu erzeugen.

Als wir die Richtung ändern, ändert sich das Dísas Verhalten: Ich pfeife, und in dem Augenblick, als ich grad clicken will, schnellt der Pferdekopf in die Höhe und dreht sich alarmiert nach hinten um.

Sekunde – wieso schaut sie zum Heck? Die üble Ohrenquälerei kommt doch von vorn…?

Ich schraube die Intensität wieder herunter, es wird besser, entspannter, doch das Pony bleibt latent beunruhigt. Wiederholt hebt sich die Pferdenase zwischen Click und Futter, schaut DC sich nach hinten um, checkt ab, wie die Herde hinten auf der Koppel die Situation einschätzt.

Positionsveränderungen helfen: Wir probieren verschiedene Himmelsrichtungen für den Ponypo. Eine Drehung um 180° erweist sich als erfolgversprechend. Zurück in Ursprungsposition ist auch die Nervosität zurück. Wiederholt nimmt DC den Kopf hoch und schaut sich Richtung Osten um.

Es dauert, bis ich meinen Wahrnehmungsradius weit genug öffne um zu registrieren, dass die Landwirtschaftsmaschinen, die dort in 15 Metern Entfernung dicht gedrängt geparkt sind, genügend vertikale Fläche bilden, um ein schwaches Echo des Pfeiftons zurückzuwerfen…

Pony-Kracher 3 bis 5

Pony-Kracher Teile 3 bis 5

Pony-Angstmacher in Serienproduktion?

Könnte man denken, war aber nicht geplant. Typischer Trainingsalltag, also.

Think: Ich überlege mir was Hübsches. 
Plan: Ich lege fest, wie ich’s machen will. 
Do: Ich stehe neben DC – und es kommt anders als geplant.

Überlegt hatte ich mir als Geräusch Nr. 3, mit einem Stahlhammer auf ein Sägeblatt zu schlagen. Das ergibt einen scharfen Knall gepaart mit Geschepper. Tut weh im Ohr, wenn man ernst macht.

Und dann kam DC. Übungsaufbau wie gehabt, das Nasentarget als Kooperationssignal, Dísa hält ihr entzückendes Schnütchen an den Püschel, und ich klopfe den Hammer gegen die Säge. Alles gut.

Ich werde lauter. Alles gut.

Ich werde noch lauter, die Säge beginnt in der Plastikablage zu hüpfen und unerwarteten Krach zu machen. Alles gut.

Ich lege Schmackes in den Schlag. Alles gut. Ich schlage mit Schmackes einmal, zweimal, dreimal,… Alles gut. Die Ponynase klebt am Target.

Mir geht die Armkraft aus. Think. Ich schaue mich um, denke: Die Stahlträger des Unterstands machen bestimmt auch hässliche Geräusche? Klopfe mit dem Hammer gegen das Metall. Alles gut. 
Schlage stärker. Alles gut. Schlage mit Schmackes, die Vibrationen laufen durch das Stahlgerüst. Ein Muskel zuckt, doch DC hängt am Target, als sei sie festgenäht. Übersetzt: „Gib mir mehr.“

Ich werde panisch, brauche ein Geräusch, das eine Steigerung bedeutet, an der wir äscht trainieren können. Die Streben der Paddockpforte? Der Ton ist höher und schärfer, und es klappert gleich das Geländer mit und die Verriegerung.

Was soll ich sagen – erwähnte ich schon, dass DC eine coole Socke ist? Falsch formuliert: Sich zu einer coolen Socke entwickelt?

Aber für das Geräusch Nr. 6 muss ich mir nun wirklich mal was Neues, Fieses ausdenken. Darf ich eure Ideen klauen?