Themengebiete Grundschule

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Signaldiskrimierung beim Beine heben

Bein oder nicht Bein?

In der Pediküre heißt es: „alle Beine fliegen hoch“. Kommt hingegen der TA oder Therapeut, sollen die Gliedmaßen bitte wie einzementiert stehen. Da ging’s bei uns, je nach aktuellem Trainingsstand, bislang mehr oder weniger durcheinander. Ein Versäumnis beim Vokabeln pauken.

Der Missstand soll nun endlich behoben werden durch Klarheit in der Verständigung: Signaldiskriminierung. DC soll künftig – meine eigene Disziplin in der Kommunikation vorausgesetzt – bei Berührungen wie Abstreichen, Anfassen oder Kneten die Beine stehen lassen und auf Doppelclick am Bein (egal wo) bereitwillig den Flunken lupfen. Und ja, der Weg ist auch schön, aber in diesem Falle nicht das Ziel 🙂

Masterclass Höflichkeitstraining

Die Keks-Challenge

DCs Futterlob Masterclass

Inspiriert von Nina Steigerwalds Webinar über die Voraussetzungen und die praktische Umsetzung der Arbeit mit Futterlob im Pferdetraining haben Dísa und ich einen restlos verregneten Spätnachmittag für das Spiel „Lieferservice Supreme“ genutzt.
 
Das Spiel hat nur zwei ganz einfache Regeln:

  • die erste Regel ist für das Pferd: „Mach nix“
  • die zweite für den Lieferservice:  „Wenn Regel 1 zutrifft => warte kurz und liefere dann blitzartig direkt ins Mäulchen“

Das Startsignal zur neuen Spielrunde kommt vom Pony: es mimt das Pferdestandbild „hübschestes Pony der Welt“.
 
Die Lieferoptionen können frei gewählt werden. Wir hatten Ninas Spezialmix und die bewährten, heißbegehrten Zauberkekse. Wenn man genau hinschaut, hat bei den Keksen die Oberlippe kurz gezuckt, aber insgesamt hält Dísi prima das Maulspalten-Target.
 
Wer von euch spielt „LS Supreme“? Wie sehen eure Futterlob-Masterclass-Clips aus?
Skorri lernt Hüfttarget

Sonderausstattung: Einparkhilfe

Skorri lernt das Hüfttarget

Nachdem keiner der gängigen Wege dazu geführt hat, Islandbub Skorri das Hüfttarget plausibel zu machen, hat uns nun eine gemodelte Gewichtsverlagerung weitergeholfen. Schließlich gibt es unzählige Trainingswege für jedes Verhalten, und es bleibt dem eigenen Einfallsreichtum überlassen, einen der Wege zu finden, bei dem es im Pferdehirn „click“ macht.

Worin bestand dabei die Schwierigkeit? In erster Linie darin, dass Skorri fast zwei Dekaden Trainingsgeschichte auf „vor dem Menschen weichen“ hat. Das Konzept, bewusst und in voller Absicht auf den Menschen zuzugehen, schien ihm sehr befremdlich. Das gab uns eine interessante Nuss zu knacken.

Übers Shapen ging es nicht voran. Darüber, das neue vor das alte Signal zu setzen (braucht beim Hüfttarget zwei Personen) ebenso wenig. Mitunter lohnt es sich, einen Augenblick länger über Alternativen nachzudenken.

Wie wäre es also mit Modeln? Als geübter Balance-Pad-Genießer hatte Skorri keine Probleme damit, sich von mir die Hinterhand verschaukeln zu lassen. Dadurch ergab sich der ersehnte Ansatzpunkt, eine Gewichtsverlagerung in Richtung des Trainers zu verstärken.

Nun sind wir soweit, der Jung macht mit dem Heck den entscheidenden Schritt auf mich zu. Click! und Zauberkeks als besonderes Dankeschön.

Steigerwald.T Silvesterchallenge Teil 8

Pony-Kracher Teil 8

Pferdeschreck: PETbottulus communis, die Gemeine PET-Flasche

Mitunter wundert man sich, wie weit die Ermessensschere zwischen Pferd und Mensch auseinander klafft. Meine persönliche Einschätzung des Gefahrenpotentials einer PET-Flasche war – null. Abgesehen vielleicht vom Umweltschaden unseres Plastikwahnsinns.

DC hingegen kam zu einer ganz anderen Einschätzung, was dazu führte, dass aus einer „Das-fackeln-wir-mal-kurz-ab“-Session gleich drei vollständige Beiträge zum Thema Steigerwald.T Silversterchallenge wurden. Alle drei mit ein und derselben PET-Flasche, wohlgemerkt.

Worin bestanden die Challenges? In unterschiedlichen Raumrichtungen (seitlich/oberhalb und unter dem Pferd) sowie meiner Unverfrorenheit, DC zu fragen, ob sie den Lärm nun bitte mal selbst erzeugen kann, wie ihr großes Vorbild Wolfgang.

Hier zunächst Teil 8, die PET-Flasche greift das Pony von oben an.

Pony-Kracher 3 bis 5

Pony-Kracher Teile 3 bis 5

Pony-Angstmacher in Serienproduktion?

Könnte man denken, war aber nicht geplant. Typischer Trainingsalltag, also.

Think: Ich überlege mir was Hübsches. 
Plan: Ich lege fest, wie ich’s machen will. 
Do: Ich stehe neben DC – und es kommt anders als geplant.

Überlegt hatte ich mir als Geräusch Nr. 3, mit einem Stahlhammer auf ein Sägeblatt zu schlagen. Das ergibt einen scharfen Knall gepaart mit Geschepper. Tut weh im Ohr, wenn man ernst macht.

Und dann kam DC. Übungsaufbau wie gehabt, das Nasentarget als Kooperationssignal, Dísa hält ihr entzückendes Schnütchen an den Püschel, und ich klopfe den Hammer gegen die Säge. Alles gut.

Ich werde lauter. Alles gut.

Ich werde noch lauter, die Säge beginnt in der Plastikablage zu hüpfen und unerwarteten Krach zu machen. Alles gut.

Ich lege Schmackes in den Schlag. Alles gut. Ich schlage mit Schmackes einmal, zweimal, dreimal,… Alles gut. Die Ponynase klebt am Target.

Mir geht die Armkraft aus. Think. Ich schaue mich um, denke: Die Stahlträger des Unterstands machen bestimmt auch hässliche Geräusche? Klopfe mit dem Hammer gegen das Metall. Alles gut. 
Schlage stärker. Alles gut. Schlage mit Schmackes, die Vibrationen laufen durch das Stahlgerüst. Ein Muskel zuckt, doch DC hängt am Target, als sei sie festgenäht. Übersetzt: „Gib mir mehr.“

Ich werde panisch, brauche ein Geräusch, das eine Steigerung bedeutet, an der wir äscht trainieren können. Die Streben der Paddockpforte? Der Ton ist höher und schärfer, und es klappert gleich das Geländer mit und die Verriegerung.

Was soll ich sagen – erwähnte ich schon, dass DC eine coole Socke ist? Falsch formuliert: Sich zu einer coolen Socke entwickelt?

Aber für das Geräusch Nr. 6 muss ich mir nun wirklich mal was Neues, Fieses ausdenken. Darf ich eure Ideen klauen?

Silvester-Challenge 2019

Pony-Kracher Teil 1

Linderung fürs Knalltrauma

Nina Steigerwald hat in diesem Jahr die Silvester Challenge 2019 ausgerufen: Wir trainieren in den kommenden Wochen 30 schlimme, laute Geräusche. Blödsinn, oder? Hat doch nichts mit Silvester zu tun.

Warum diese Challenge?

Viele unserer von Natur aus geräuschempfindlichen Pferde (Hunde, Katzen, Nager, Wildtiere aller Couleur, insert-almost-any-animal-here) durchleben in der Silvesternacht ihre ganz persönliche Hölle. Das ist nicht neu. Muss uns das kümmern? Kommt darauf an. Das entscheidet jeder für sich.

Mir persönlich zerreisst es die Seele zu sehen, wie Dísa auf laute, schlagartig auftretende Geräusche wie Fehlzündungen, Schüsse aus Jagdgewehren auf den Feldern oder eben Böller reagiert: Sie steht da, stocksteif, den Kopf hoch in die Luft gereckt, die Augen angstvoll aufgerissen, die Nüstern gebläht, die Muskeln bis zum Anschlag gespannt, ist nicht mehr ansprechbar und zuckt bei jedem Knall zusammen, als hätte sie einen Stromschlag bekommen. Dieser Hochspannungs-Zustand hält oft noch Tage nach der Silvesternacht an.

Es brennt mir unter den Nägeln, DC das Leben leichter zu machen und Silvester in kleinen, gut verdaulichen Schritten zu trainieren. Schallendes Gelächter. Geht nicht. Oder doch?

Wie trainiere ich Gelassenheit für einen Ernstfall, den ich im Training nicht ohne drastischen Aufwand kontrolliert simulieren kann?

Die Antwort darauf hatte Nina Steigerwald auf der diesjährigen ClickerCon thematisiert:

„Wie trainiere ich ein Verhalten, das ich nicht trainieren kann?“

Kooperationssignal: Aktives Einverständnis für den nächsten Kracher

Das Stichwort lautet Generalisierung.

Ich trainiere möglichst viele Situationen, die dem Ernstfall ähneln. Das Pferd überträgt das Gelernte später auf die unbekannte, aber ähnliche Situation. Klappt sehr schön. Viele von uns kennen dieses Phänomen zum Beispiel von Pferden, die kopfscheu gemacht wurden. Sie zucken auch vor Menschen zurück, die ihnen noch nie ein Haar gekrümmt haben.

Deshalb trainieren wir aus Pferdesicht schlimme Geräusche. So viele wie möglich, um eine gute, sichere Generalisierung zu bekommen. Geräusche, die dem Ernstfall so nah kommen wie möglich. Das kann zu Beginn so etwas Banales sein wie Gummihammer auf Holz.

Steigerwald.T Silvester-Challenge – eine WinWin-Aktion
Auftrensen leicht gemacht

Von Altlasten befreien – Thema Trense

Die Vorgeschichte

„Sie hat in einer etwas schwierigen Lebensphase mal gelernt, den Kopf hochzunehmen und rückwärts zu gehen, wenn jemand mit der Trense kommt,“ erklärte die Besitzerin der schicken Hannoveranerstute. „Das ist schon eine Weile her, und in der Zwischenzeit haben wir vieles verändert.“

Nur das Auftrensen hat sich, nachdem sich ein erstmal ein ritueller Charakter eingeschlichen hatte, nicht verändert: für die schicke Braune ist der Anblick einer Trense noch immer das Signal, den Kopf hochzunehmen und rückwärts zu treten. So die Schilderung vorab. So auch das Ergebnis der Evaluierung vor Ort. Auf einer Distanz von ca. einem Meter veranlasst die aufgehaltene Trense das Pferd, den Kopf hoch zu nehmen und einen Schritt rückwärts einzuleiten.

Konditionierung auf den Clicker

Für die Hannoveranerin ist es die erste Begegnung mit dem Markertraining. Wir beginnen mit einer Futterevaluierung und fragen das Mädel nach den Top 5 ihrer aktuellen Futterhitliste. Dann geht’s in die Vollen (Futtertaschen). Halleluja, es gibt Leckerfutter einfach nur fürs Dasein. Der bislang eher zurückhaltende Ausdruck in ihren Augen schlägt ratzfatz um in helle Begeisterung.

Die erste Übung: Stehen in „NormalNull“

Nachdem es bei der Braunen im wahrsten Sinne des Wortes „Klick“ gemacht hat, gibt’s den Click für hübsches Stehen in NormalNull, oder, präziser formuliert: Pferdenase auf Buggelenkhöhe auf der nach vorn verlängerten Längsachse bei leichter Krümmung des Halses, alle vier Hufe am Boden. Das reicht uns fürs erste.

Zweite Stufe: Reithalfter ohne Gebiss

Die Aufgabe der Stute bleibt zunächst unverändert: Stehen in NormalNull. Aber wir verändern die Umgebungsvariablen. Das Reithalfter kommt dazu.

Um das verräterische Gebissklappern aus der Gleichung zu nehmen, beginnen wir mit dem nackten Reithalfter. Unsere Frage an das Pferd: „Geht ein Meter Entfernung?“ Die Stute sagt „ja.“ Wir verringern die Distanz um jeweils eine Handbreite. Dass eine Fußlänge zu viel gewünscht/gewollt ist, zeigt uns die Stute durch eine heckorientierte Gewichtsverlagerung an.

So bringen wir erfolgreich den Pferdkopf und das Reithalfter zusammen. Zeit für die nächste Stufe.

Dritte Stufe: Trense mit eingeschnalltem Gebiss

Die Veränderung an der Trense kompensieren wir zunächst durch einen größeren Abstand und beginnen bei gut einem halben Meter. Wieder nähert sich das Halfter um jeweils eine Handbreite dem Pferdekopf an.

Was tut das Pferd? Steht in NormalNull. Click! Und Futter dort, wo die Pferdenase sein soll, etwa einen halben Meter vor der Brust auf Buggelenkhöhe.

Vierte Stufe: Der Pferdekopf beginnt, in die aufgehaltene Trense zu tauchen

Als die Trense direkt neben dem Pferdekopf hängen kann, ohne dass es die Stute stört, ändern wir die Aufgabe des Pferdes: Nun gibt es den Click nicht länger für NormalNull, sondern für das Eintauchen in das aufgehaltene Halfter, bis die Lippen auf Gebisshöhe hängen und – aber das wird Aufgabe der nächsten Trainingseinheit – die Stute als nächstes selbständig das Gebiss aufnehmen müsste.

Vom allerersten Click bis zum aktiven Eintauchen in die Trense in nur einer Einheit.

Soweit, so gut.

Das unvergleichlich Schöne an dieser Einheit aber ist der Ausdruck in den Augen der Braunen: Jetzt, da sie Markertraining kennengelernt hat, weiß sie, dass sie es toll findet.