Themengebiete Medical Training

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Inhalieren

Wenn „mach mal eben“ ins Auge geht

Das Tier muss inhalieren

Unsere Tierärztin verordnete uns einen Ultraschallvernebler, als es in einem der vergangenen Sommer seeehr trocken und staubig wurde, und DC Probleme mit der Atmung bekam.

Gerät gekauft (beim Preis geschluckt…), Handbuch gelesen, Apparat aufgestellt und die Lütte gefragt:

„DC, kannst du deine Nase in die Maske stecken?“

„Ja, kann ich.“

„DC, kannst du die Maske am Kopf tragen?“

„Ja, kann ich.“

„DC, kannst du die Maske am Kopf tragen, wenn wir am Anbinder stehen und der Schlauch an der Maske fest ist?“

„Ja, kann ich.“

„DC, kannst du das Equipment tragen, wenn der Apparat läuft und Geräusche macht?“

„Ja, kann ich.“

„DC, kannst du das Equipment tragen, wenn Nebel in die Maske geleitet wird?“

Das war der Moment, in dem sie erst eine Weile „Ja, kann ich,“ sagen konnte, um es sich dann schlagartig anders zu überlegen. Siehe Video. Ich hätte heulen können.

Nun, wir haben also einen Reset gemacht und das Inhalieren in einem anderen Setting komplett neu aufgebaut. Die Maske ist jetzt nicht mehr, wie vorgeschrieben, am Pferdekopf befestigt, sondern am Anbinder. Mittlerweile inhaliert DC in Freiarbeit mit kurzen Unterbrechungen zum Füttern nach dem Dankeschön-Click bis zu 25 Minuten.

Augentropfen in Freiarbeit

For your eyes only

Augentropfen für Dísi

„Augentropfen sind nun wirklich nicht schlimm,“ denkt man so als Mensch, dem klar ist, wozu man sie braucht und das der unangenehme Moment, in dem die kalten Tropfen den Augapfel treffen, schnell vorüber ist für einen guten Zweck.

Dieselbe Szene stellt sich aus Sicht eines Pferdes möglicherweise zunächst einmal ganz anders dar. Für ein Fluchttier ist die Sehkraft ein wichtiger Faktor in der Überlebensstrategie. Da scheint es ratsam, besonders gut auf die Erhaltung des Augenlichts zu achten. Je nach Vorerfahrungen fällt die Reaktion eines Pferdes, das unvorbereitet mit der Applikation von Augentropfen konfrontiert wird, mehr oder minder heftig aus. Das reicht vom Wegdrehen des Kopfes bis zum entschiedenen Rückzug aus der Situation.

Eine tierfreundliche Alternative zum Festbinden, zur Nasenbremse oder zum Sedieren (ja, all das gehört zum Augen-Alltag) ist es, dem Pferd über Medical Training zu erklären, bitte stillzuhalten, während es Augentopfen bekommt.

Bis Dísi das Träufeln mitgemachen konnte, haben wir eine Handvoll Meilensteine im Training erreicht.

  • Level 1: Wangentarget an der Hand
  • Level 2: Wangentarget an meiner Wange von hinten über meine Schulter
  • Level 3: Stehenbleiben, wenn ich gegen die Fahrtrichtung stehe (haben wir sonst im Alltag als Signal fürs Rückwärtsrichten)

Da die direkte Übertragung des Wangen-Wangentargets nicht möglich war, als Zwischenschritte:

  • Level 4a: neu eingeführtes Unterkiefertarget auf meinem Unterarm mit Futterpunkt in Zielposition
  • Level 4b: Unterkiefertarget auf meinem Oberarm mit Futterpunkt in Zielposition
  • Level 4c: Unterkiefertarget auf meiner Schulter mit Futterpunkt auf der Schulter
  • Level 5: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn der Arm um den Kopf herum greift
  • Level 6: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn die linke Hand ans Auge fasst
  • Level 7: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn sich die rechte Hand mit den Augentropfen (AT) annähert
  • Level 8: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn das Fläschchen mit den AT unmittelbar am Auge ist
  • Level 9: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn 1 Tropfen Flüssigkeit ins Auge tropft
  • Level 10: Stillstehen und Kopf auf der Schulter lassen, wenn 2 oder mehr Tropfen Flüssigkeit ins Auge tropfen

Mehr zum Thema Medical Training für Pferde erfahrt ihr auch in Nina Steigerwalds kostenlosem Webinar der Steigerwald.T Academy:

Gruseldecke

Deckentraining – drauf gepfiffen.

Neue Seite, neues Pferd

Nach nur 6-wöchiger Lieferzeit kam endlich ein neues Werkzeug, das ich schon lange mal ausprobieren wollte, um ein kurzes, prägnantes Markersignal UND zwei freie Hände zu haben: eine Pfeife. Präzedenzfälle für den internationalen Pfeifeneinsatz reichen 60+ Jahre zurück in die Vergangenheit. Da dieses Hilfsmittel bis heute einen festen Platz im Markertraining hat, muss wohl etwas dran sein 🙂

Nach einem kurzen Test, wie die Lütte auf das unangenehm schrille Geräusch reagiert (war kein Problem), habe ich mich durch unsere nächste Deckeneinheit gepfiffen und Vor- und Nachteile eruiert.

Klarer Vorteil: Volle Bewegungsfreiheit für alle Körperteile mit Ausnahme der Schnute. Was ein weiterer Vorteil ist: man sabbelt nicht so viel unnützes Zeug während des Trainings und beschränkt sich auf das Wesentliche.

Der Plan sah einen Seitenwechsel vor, das Auflegen, Überwerfen und Ausbreiten der Decke von rechts. Mir ist bei der Durchsicht des Videos einmal mehr aufgefallen, wie schwierig es sein kann, sich streng an das Kooperationssignal zu halten. Dabei wäre es so einfach:

BEOBACHTEN (dran oder nicht?) – ENTSCHEIDEN (nicht dran) – HANDELN (Abbruch). Mir klingelt konstant ein berühmtes Zitat im Ohr: „…simple, but not easy…“

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, nicht wahr?

Pferde einsprühen

Huch-Monster-Alarm

Die Sprühflasche, das Huch-Monster

Hoffnung für Teams mit einem professionellen „Ich-bin-dann-mal-weg“-Tier.

Als wir anfingen zu trainieren, kam ich mit der Sprühflasche in der Hand nicht einmal in DCs Nähe.

Der Anfang unseres Trainings hatte streng genommen kaum etwas mit Einsprühen zu tun. Ich hielt Sprühflasche am angewinkelten Arm vom Pony weg auf Pferdeschulterhöhe in 5 Metern Abstand.

Und habe das Sprühgeräusch noch simuliert. Pfffffffft. Ich war nur froh, dass mir dabei niemand zugesehen hat. Fußbreite um Fußbreite näherte sich die Sprühflasche dem Pony an. Pffffffft.

Danach ging’s recht fix. Die ersten vorsichtigen Sprühstöße gingen in die entgegengesetze Richtung, bis wir parallel zu DCs Alabasterkörper sprühen konnten. Danach über DCs Rücken hinweg Richtung Kruppe. Da schwebte immerhin schon ein bisschen Nebel auf den Ponykörper herab. Die ersten echten Sprühstöße mit Fellkontakt akzeptierte das Pony dann bald darauf der Schulter knapp hinter dem Widerrist.

Nun ist, wie man im Video sieht, der Bereich auf 7 – 8 Uhr* immer noch hellgelb.


* Ihr kennt doch sicher die Uhrenübung von Nina Steigerwald? Mit dem Ponypo auf 12 Uhr, die Nase zeigt zur 6?

Temperaturmessung mit Kooperationssignal

Heiße Kiste? Entspannte Gradmessung

Temperatur messen mit Kooperationssignal

Medical Training macht Maßnahmen rund um die Pflege und medizinische Belange sicherer und sehr viel angenehmer für Patient, Halter und Behandler. Einer von vielen Punkten der erklecklich langen Liste im Medical Training ist das Fiebermessen.

Für viele – glücklicherweise – nie ein Thema; für manche hingegen eine Aufgabe, die bei allen Beteiligten den Blutdruck in die Höhe treibt (kennst du die normalen P.A.T.-Werte deines Pferdes?) und Schnappatmung auslöst.

Das Gegenmittel fängt mit „C“ an und hört mit „lickertraining“ auf.

Futtertasche als Nasentarget

Pferdenase in der Futtertasche – Go!

Doppelrolle für die Futtertasche

Die Ohren gehör(t)en zu DCs langer Liste an Tabuzonen. Solange ich die Maus kenne, stuft sie Menschenhände als „hochgradig gefährlich“ ein. Daher arbeiten wir, wann immer es sinnvoll erscheint, mit Kooperationssignalen.

Die können alle möglichen Formen annehmen, je nach Aufgabe. Häufig nutzen wir Nasentargets dazu.

So auch beim Öhrchen pulen. Um die Hände frei zu haben, testeten wir heute eine Kombination aus Futtertasche als Nasentarget, Zungenclick und – wegen der bereits anderwärtig beschäftigten Hände – einer leicht verzögerten Fütterung.

Wie gegen Ende der Sequenz zu erkennen ist, waren die Trainingsschritte zu groß, DCs Mitarbeit wird zögerlicher. Gerade im Medical Training können die Schritte gar nicht klein genug sein.

Social Distancing bei der Hufbearbeitung

Social distancing zum Schutz

Plus-R auf Distanz

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Im Moment bedeutet es, aus gesundheitlichen Sicherheitsgründen Abstand zu halten zu seinen Mitmenschen. Das gilt natürlich auch für unsere Hufzauberin.

Eine mögliche Lösung in der konventionellen Pferdewelt ist, das Pferd anzubinden und wegzugehen.

Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden und trainieren unseren liebsten Siemens-Lufthaken auf Distanz.

Zur Anwendung kommt die Nowitzki-Technik zur Einhaltung eines 2-Meter-Abstands zum Pony, damit unsere Hufzauberin unbesorgt arbeiten kann.

Nebenjob als Nadelkissen: Akupunktur in Freiarbeit

Nebenjob als Nadelkissen

Akupunktur in Freiarbeit

Ziel der Übung: Pony steht neben der Nähmaschine und hilft als Nadelkissen aus, während ich ihre Ekzemdecken flicke; schließlich quäle ich mich FÜR SIE mit Nadel und Faden herum.

Spaß beiseite. Ernst, komm her: Dísa hat über einen Mix aus positiver Verstärkung und klassischer Konditionierung gelernt, sich von THP Brigitte Wiener freistehend sechs bis acht Nadeln pro Session setzen zu lassen – eine tolle Leistung für ein Rassepony aus der Edel-Zuchtlinie „HandleMeNot“.

Über das Nasentarget als Kooperationssignal steuert das Pferd den Verlauf der Behandlung

Püschel heißt „ok“

Targetstab als Kooperationssignal

Auf den ersten Blick wirkt das Foto restlos unspektakulär. Spannend wird es, wenn man etwas mehr über die Hintergründe erfährt, wie zum Beispiel, dass sich DC nur ungern anfassen und überhaupt gar nicht passiv bewegen lassen mag.

In einer kombinierten Trainings- und Behandlungseinheit mit der einfühlsamen Pferdeosteopathin Nicole Plinz konnte Dísa über einen Targetstab als Kooperationssignal den Verlauf der diagnostischen und therapeutischen Griffe steuern. Solange die Ponynase am Püschel klebte, fuhr Nicole mit ihrer Arbeit fort; löste sich die Pferdenase vom Target, hielt Nicole inne und wir warteten das OK von DC ab.

Über das Kooperationssignal bekommt das Pferd eine für alle Beteiligten ungefährliche und zuverlässige Möglichkeit, einen Behandlungsverlauf so zu steuern, dass es damit gut zurecht kommt. Behauptet Dísa zumindest. Und sie muss es wissen, oder?