Markertraining – dein Trainings-Plus für Pferd und Mensch
Futterpunkt

Hü und Hott im Tiertraining

Der Verstärker – der ist ja ganz entscheidend im Training. Weiß JEDER. Denn der Verstärker macht, dass mein Pferd macht, was ich verstärke. Nicht immer, aber immer öfter, bis sich „immer öfter“ dem Grenzwert von 100% nähert. Training ist bekanntlich ein Teilbereich der Mathematik, der Analysis und der Wahrscheinlichkeitsrechnung, um genau zu sein. Aber Spaß und Mathe beiseite, sonst liest gleich keiner mehr weiter.

Wie ebenfalls jeder weiß, liegt die Magie im PRIMÄREN Verstärker. Das ist meist ein leckeres Stück Mampfmasse, das seine Wirkung unmittelbar und direkt in den Tiefen des tierischen Überlebenszentrums entfaltet und daher besonders gut und nachhaltig wirkt. Und besonders gut und schnell zu überreichen ist.

Am Nasentarget gut umzusetzen: Clicken und Füttern verstärken beide das Verhalten „Nase am Target“

Der heutige Beitrag richtet sein mikroskopisches Augenmerk auf „besonders schnell“. Warum? Weil wir einem hartnäckigen Mythos auf den Grund gehen, dass der Einsatz eines Clickers bedeutet, man könne sich ruhig Zeit lassen mit dem Futter.

Dazu lassen wir eine Trainingssequenz in Ultra-Zeitlupe ablaufen. Was passiert?

Das Pony soll lernen, mit der Nase an einem Nasentarget zu „kleben“:

  1. Entweder durch Zufall (Shaping) oder getriggert durch Neugier oder über einen geschickt gewählten Lockpunkt berührt die Pferdenase das Target
  2. Ich clicke das
  3. Ich greife nach dem Futter
  4. In der Zeit hat sich der Pferdekopf längst schon wieder vom Target gelöst
  5. Ich habe endlich ein Karottenstückchen zu fassen bekommen und bewege die Hand Richtung Pferdemaul
  6. Hand und Pferdemaul treffen sich glücklich und fair in der Mitte, und das Pony bekommt sein Essen

So weit, so gut. Oder?

Das Pony hat sehr wohl den Click für das richtige Verhalten bekommen, mit der Nase das Target zu berühren. Aber wofür gabˋs das heißbegehrte Essen? Für die Kopfbewegung Richtung Futterhand. Und das Pony ist ja nicht dumm. Es merkt sich: Nasentarget schön und gut, aber Mäulchen zur Menschenhand ist besser. Als ob wir uns nicht entscheiden könnten, welches Verhalten wir denn nun haben wollen: Den Click gibt es für Hü, das Futter für Hott.

Wie viel schneller und verständlicher wäre die Welt für das Pony, wenn es den sekundären UND den primären Verstärker für ein und dasselbe Verhalten bekäme? Beides für die Patex-Nase am Target?

Kennst du noch mehr solcher Beispiele? Etwas wie: Das Pony soll traben, bekommt den Click fürs Laufen und das Futter irgendwann später im Stehen? Natürlich funktioniert auch das, aber es dauert länger, weil das Pferd zwei unterschiedliche Informationen darüber erhält, welches Verhalten wir grad sehen wollen.

Und ja, natürlich hast du recht: Je nach Trainingsaufgabe kann es eine schöne Herausforderung sein, das richtige Verhalten sowohl mit dem sekundären als auch dem primären Verstärker zu fördern. Keine Frage. Aber wenn man es hinbekommt, ist es enorm hilfreich, um dem Pony das richtige Verhalten verständlich zu machen.

Zwei weitere Beispiele, bei denen die Umsetzung gut zu bewerkstelligen ist: beim Unterkiefertarget auf der Schulter des Menschen, um Augentropfen zu geben und beim Füttern in Bewegung.

Füttern in Bewegung
Füttern in Bewegung

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