Markertraining – dein Trainings-Plus für Pferd und Mensch
Silvester-Challenge 2019

Kooperation – der Weg aus der Hilflosigkeit

In aller Regel dreht sich das Medical Training darum, dem Pony eine gesunde Buddha-Einstellung zu unangenehmen oder gar schmerzhaften Prozeduren nahe zu bringen, die zu seiner Gesunderhaltung oder Genesung notwendig sind.

Was das betreffende Pony nun als physisch oder psychisch „unangenehm“ bis „unerträglich“ einstuft, kann sehr stark variieren. Zum Glück spricht das Pony sehr offen darüber. Man braucht nur gut hinzuschauen. Das Schlüsselwort „nur“ ist eines meiner liebsten 🙂 Kommt gleich nach „einfach“.

Denn mitunter ist man kurz abgelenkt oder auf eine manuelle Aufgabe fokussiert und schafft es nicht, das ganze Pferd von den Tasthaaren bis zur Schweifspitze im erweiterten Blickwinkel (weichem Fokus) zu behalten.

Eine gute Hilfe kann dabei das Kooperationssignal sein. Es ist einfacher zu ermitteln, ob eine Pferdenase einen Püschel berührt, als ein sich im Millimeterbereich veränderndes Augenlid wahrzunehmen, oder den Hauch einer Gewichtsverlagerung, oder einen geringfügig ansteigenden Muskeltonus, oder den Ansatz zu einer sich bildenden Falte im Maulwinkel. Oder, oder, oder. Das Vokabular unserer Pferde umfasst sicher nicht viel weniger Satzbausteine als das normal entwickelte Humangesabbel.

Wer sich noch an die Kinderserie Pan Tau erinnert, wird sich wehmütig wünschen, das Pony mit leichtem Fingerspitzentrommeln auf Spielzeuggröße schrumpfen lassen zu können.

Stattdessen behelfen wir uns mit dem Kooperationssignal.

Ein Kooperationssignal ist ein Verhalten des Tieres, das es zeigt, wenn es bereit ist für die nächste Manipulation durch den Menschen. Die Formulierung ist ganz bewusst so allgemein gehalten, denn sowohl das als Kooperation festgelegte Verhalten des Tieres wie auch die daran anschließende Aktion des Menschen können kosmisch vielfältig sein.

Schauen wir uns den Ablauf an einem konkreten Beispiel an: wir haben das Pferdeverhalten „Stillstehen“ als Kooperationssignal für uns festgelegt, dass wir im Spritzentraining einen Schmerzreiz am Hals setzen dürfen.

Ein zweites Beispiel wäre, dass das Pferd ein stationäres Target mit der Nase berührt zum Zeichen, dass es bereit ist, sich die Temperatur messen zu lassen.

Der entscheidende Punkt dabei ist, dass das Pferd weiß, was gleich kommen wird, und sich bewusst und aktiv entscheidet auszuhalten, was der Mensch gleich macht.

Das funktioniert aber nur so lange, wie die Handlungen des Menschen vorhersehbar bleiben und sich nicht von einem auf den nächsten Trainingsdurchgang massiv steigern. In dem Falle ist es mit der Vorhersehbarkeit vorbei, und das Pferd erlebt einen empfindlichen Vertrauensmissbrauch.

Ob wir also mit oder ohne Hilfsmittel beim Kooperationssignal trainieren, gilt es immer, sehr genau hinzuschauen und seine Wahrnehmung dafür zu schärfen, wie es dem Pferd gerade im Training geht: ist es noch ganz entspannt? Zeigen sich erste Anzeichen von Verunsicherung oder Unwohlsein? Oder sehen wir bereits ein oder mehrere Stressanzeichen?

Wie gut wir mit unserer Einschätzung liegen, zeigt sich beim Start zum nächsten Durchgang. Gibt uns das Pferd prompt und freudig wieder grünes Licht, oder zögert es womöglich eine winzige Sekunde?

Ein Plädoyer für Fairness für die Pferde. Sie haben es wirklich verdient.

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