Stichwörter Kooperationssignal

4 Beiträge

Entscheidungsfreiheit fürs Pferd

Entscheidungsfreiheit

Gilt das auch fürs Pferd?

Wie viel bedeutet Entscheidungsfreiheit für ein Lebewesen? Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit?

Man kann sehr spannende Stunden damit verbringen, diese oder ähnliche Begriffe nachzuschlagen. Und sich zu fragen, ob sie vielleicht auch etwas mit dem eigenen Pferd zu tun haben?

Tatsächlich bekommt Entscheidungsfreiheit vor allem im Medical Training eine eminente Bedeutung, bringt sie doch häufig den Umschwung von „geht gar nicht“ zu „okay, machen wir“.

Die Rede ist vom so genannten Kooperationssignal. Eine hoch verdiente österreichische Kollegin, Anna Oblasser-Mirtl, nennt es auch das „Ich-bin-bereit“-Signal. Es dient dazu, die Kommunikation zwischen Tier und Mensch zu erleichtern. Mit Hilfe des Kooperationssignals kann der Mensch sehr viel leichter erkennen, ob das Pferd bereit ist, eine unangenehme oder gar schmerzhafte Prozedur auszuhalten.

Die eigentliche Grundlage des Kooperationssignals ist, dass das Pferd Mitspracherecht bekommt. Es ist der Situation nicht länger hilf- und dank zum Teil einschneidender Maßnahmen (Cross ties, Nasenbremse, Zwangsstand, Sedierung) wehrlos ausgeliefert.

In dem Augenblick, in dem das Pferd die Möglichkeit bekommt, „nein“ zu sagen, verändert sich seine Welt erdrutschartig. Es kann selbst entscheiden, mitzumachen. Diese oft vernachlässigte Selbstwirksam ist häufig der Schlüssel zum Erfolg: denn von Haus aus kann ein Pferd durchaus Schmerzen aushalten. Mit dem Kooperationssignal entscheidet es sich aktiv und bei vollem Bewusstsein: „Ja, das kann ich.“ Die direkte Folge davon ist weniger Stress, weniger Angst, und mehr Sicherheit für alle, da es sich nicht länger wehren muss gegen etwas, das es nicht will. Denn es macht freiwillig mit.

Ich plädiere für Medical Training. Dem Pferd zuliebe.

Quält dich in tiefster Brust das harte Wort „du MUSST“,

so macht dich eins nur still, das stolze Wort „ich WILL“.

Beliebter Poesie-Alben-Spruch. Damals. In meiner Kindheit.
Temperaturmessung mit Kooperationssignal

Heiße Kiste? Entspannte Gradmessung

Temperatur messen mit Kooperationssignal

Medical Training macht Maßnahmen rund um die Pflege und medizinische Belange sicherer und sehr viel angenehmer für Patient, Halter und Behandler. Einer von vielen Punkten der erklecklich langen Liste im Medical Training ist das Fiebermessen.

Für viele – glücklicherweise – nie ein Thema; für manche hingegen eine Aufgabe, die bei allen Beteiligten den Blutdruck in die Höhe treibt (kennst du die normalen P.A.T.-Werte deines Pferdes?) und Schnappatmung auslöst.

Das Gegenmittel fängt mit „C“ an und hört mit „lickertraining“ auf.

Futtertasche als Nasentarget

Pferdenase in der Futtertasche – Go!

Doppelrolle für die Futtertasche

Die Ohren gehör(t)en zu DCs langer Liste an Tabuzonen. Solange ich die Maus kenne, stuft sie Menschenhände als „hochgradig gefährlich“ ein. Daher arbeiten wir, wann immer es sinnvoll erscheint, mit Kooperationssignalen.

Die können alle möglichen Formen annehmen, je nach Aufgabe. Häufig nutzen wir Nasentargets dazu.

So auch beim Öhrchen pulen. Um die Hände frei zu haben, testeten wir heute eine Kombination aus Futtertasche als Nasentarget, Zungenclick und – wegen der bereits anderwärtig beschäftigten Hände – einer leicht verzögerten Fütterung.

Wie gegen Ende der Sequenz zu erkennen ist, waren die Trainingsschritte zu groß, DCs Mitarbeit wird zögerlicher. Gerade im Medical Training können die Schritte gar nicht klein genug sein.

Über das Nasentarget als Kooperationssignal steuert das Pferd den Verlauf der Behandlung

Püschel heißt „ok“

Targetstab als Kooperationssignal

Auf den ersten Blick wirkt das Foto restlos unspektakulär. Spannend wird es, wenn man etwas mehr über die Hintergründe erfährt, wie zum Beispiel, dass sich DC nur ungern anfassen und überhaupt gar nicht passiv bewegen lassen mag.

In einer kombinierten Trainings- und Behandlungseinheit mit der einfühlsamen Pferdeosteopathin Nicole Plinz konnte Dísa über einen Targetstab als Kooperationssignal den Verlauf der diagnostischen und therapeutischen Griffe steuern. Solange die Ponynase am Püschel klebte, fuhr Nicole mit ihrer Arbeit fort; löste sich die Pferdenase vom Target, hielt Nicole inne und wir warteten das OK von DC ab.

Über das Kooperationssignal bekommt das Pferd eine für alle Beteiligten ungefährliche und zuverlässige Möglichkeit, einen Behandlungsverlauf so zu steuern, dass es damit gut zurecht kommt. Behauptet Dísa zumindest. Und sie muss es wissen, oder?