Stichwörter Medical Training

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Augentropfen mit Kooperationssignal

Wenn’s ins Auge gehen soll

Medical Training als Alternative zur Nasenbremse

Medical Training statt Nasenbremse

Lange geht es gut, doch dann trifft’s einen doch: die Pferdeaugen sind entzündet. Und entzündete Pferdeaugen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Tierarzt kommt, verschreibt Tropfen oder eine Salbe, um das Augenlicht des geliebten Vierbeiners zu erhalten. So weit, so hoffnungsvoll.

Doch von Haus aus ist dem Pferd nicht klar, wie wichtig die Therapie ist, dass es womöglich seine Sehkraft und seine Augen verlieren könnte, wenn die Entzündungen nicht ausheilen. Die Augen sind lichtempfindlich, sie schmerzen – und nun kommt der Mensch, und will kaltes, nasses Zeug in die geschundenen Augen schmieren. Nur wenige Pferde lassen so eine Prozedur klaglos über sich ergehen.

Dem mitfühlenden Menschen blutet das Herz, wenn er aus der Not heraus gezwungen wird, zu Zwangsmaßnahmen zu greifen. Und denkt spätestens jetzt über Alternativen nach. Zum Glück führen viele Wege zum Ziel.

Ein möglicher Weg von grob geschätzt 500 kann sein, dem Pferd beizubringen, den Kopf auf der Schulter des Menschen abzulegen als Signal, dass es bereit ist für die Medikamentengabe.

Freiwillige Mitarbeit statt Gegenwehr und Zwangsmaßnahmen – eine Erlösung für alle Beteiligten.

Exmoor Ponyhengst Nio

Jungpferde-Training: Hufe

Vom Wildpferd zum Musterschüler

Die Geschichte von Exmoor-Ponyhengst Nio. Seine Besitzerin schrieb mir über ihren im Sommer 2020 frisch erworbenen Schützling:

„Der eineinhalbjährige Exmoorponyhengst Sean, Rufname Nio („der Fröhliche“ auf keltisch), kam im Naturpark Solling zur Welt. Das erste Lebensjahr verbrachte er halbwild im Familienverband. Am 15. Juni 2020 kam er zu uns in die Zivilisation. Seine Erfahrungen mit Menschen bis dahin waren wohl sehr übersichtlich: Zweimal Fanggitter zum Chippen und zum Brennen noch im gleichen Sommer, dann eine Inspektion durch die Exmoorpony-Society im Herbst. Vermutlich gab es auch Transporte in der Gruppe zwischen den Weiden. Die Fahrt zu uns in den Norden hat er allein im grossen Transporter hinter sich gebracht. Generell tendiert er dazu, auf unangenehme Situationen mit Abwehr statt mit Flucht zu reagieren. Er hat in der Vergangenheit gelernt, dass man sich Menschen mit Zähnen und Hinterhufen ganz gut vom Leib halten kann. Ich habe mit ihm bisher Halfter – und Führtraining gemacht. Seine einzige Tierarzt-Erfahrung bislang war das Chippen, und Hufpflege kennt er noch gar nicht.“

Katja T., Boostedt

Auf seine ersten Erfahrungen mit dem Clickertraining reagierte der kleine Nio hervorragend. Nachdem wir ein passendes Futter gefunden hatten, das ihm schmeckt und er mit seinen Milchzähnen gut kauen kann, bestanden die ersten Trainingsschritte darin ihm zu erklären, sich friedlich und entspannt von (fremden) Menschen anfassen zu lassen.

Demnächst findet ihr in unserem Blog einen ausführlichen Bericht über Nios Weg vom Hufeschleuderer zum vorbildlichen Hufegeber und von seiner ersten Hufbearbeitung.

Für diejenigen, die mehr über Nios Rasse erfahren möchten: Informationen zum deutschen Zweig der Exmoor-Ponyzucht findet ihr auf der Homepage des Vereins.

Inhalieren mit einem Ultraschall-Vernebler

Panikattacken beim Inhalieren

Medical Training im Einsatz

Unsere neue Medical Training Video-Reihe „MT Spotlight“ zeigt in 30-Sekunden-Clips kurz und knackig, wie sehr man seinem Pferd mit Behandlungstraining helfen kann.

Der erste Clip handelt von der Verwandlung beim Inhalieren. Mit der Notwendigkeit zum Inhalieren konfrontiert, stellte sich schnell heraus, dass die Dampfmaske Panikattacken beim Pony auslöste.

Über Medical Training bekam das Pony seine Selbstwirksamkeit zurück und kann sich nun aktiv entscheiden zu inhalieren. Warum diese Umkehr so wirkungsvoll ist, kann sich jeder leicht vorstellen. Es ist der Unterschied zwischen „Los, mach das jetzt!“ (erzeugt häufig Gegenwehr) zu „Kannst du das bitte machen?“ (na klar, kann ich!). Wer wird schon gern zu seinem Glück gezwungen?

Medical Training mit Rhodesian Ridgeback Rüde Cooper

True Stories: „Cooper – der kleine Hund und die Fremden“

Medical Training wie beim Pony. Nur ganz anders.

Coopers Besitzerin Ingrid erzählt von ihrem Traumhund, der großen Herausforderung, vor der sie mit dem Rhodesian Ridgeback Rüden stand, und wie das Team die exquisite Aufgabe mit Bravour gelöst hat:


Der Traumhund, oder eben die größte Herausforderung…

Vor 2 Jahren kam der Wunsch nach einem Wegbegleiter auf, der mit bei uns im Haus wohnt – ein Hund sollte her. Wir haben uns lange Zeit gelassen, um die passende Hunderasse und den passenden Züchter ausfindig zu machen. Es sollte schließlich ein Hund aus verantwortungsvoller Zucht sein, der eine gute Welpenstube genießt und gesund ist.

Bei unserem Besuch beim Züchter haben wir uns einige Welpen angeschaut und dann kam der Rüde „Grün“. Es war um uns geschehen! Genau dieser Welpe sollte es sein. Er kam sofort zu uns, kuschelte ausgiebig mit uns und genoss unsere Nähe – der perfekte Hund, der auf den wunderbaren Namen „Cooper“ hören sollte.

Als der Kleine alt genug war, holten wir ihn beim Züchter ab, es war alles perfekt, eigentlich…
Mir der Zeit stellten wir fest, dass unser Traumhund charakterlich doch nicht so „konventionell funktioniert“, wie man es von einem Hund erwarten mag. Er ist insgesamt ein sehr, sehr unsicherer Typ, der Berührungen absolut nicht schätzt, außer von einem ganz begrenzten Personenkreis.

Sein unkonventioneller Charakter paarte sich leider mit Unmengen an Krankheiten, die uns dazu zwangen, sehr regelmäßig einen Tierarzt aufzusuchen, und der Hund musste sich den Behandlungen unterziehen.

Schnell lehnte Coop restlos alle Berührungen von Fremden ab. Er hatte gelernt, dass er sehr guten Erfolg damit erzielt, wenn er knurrt und bellt. Alle nehmen dann sofort ihre Hände von ihm.

Wir versuchten diverse Sachen, um ihn davon zu überzeugen, dass unser Besuch und andere Menschen doch nicht so schlimm sind. Man spielte mit ihm, fütterte ihn fleißig, aber sobald das aufhörte, duldete er Fremde nur noch. Wenn es jemand wagte ihn zu berühren brannten ihm regelrecht die Sicherungen durch.

Wir standen in einer Sackgasse – es musste dringend eine Lösung her – und vor allem eine ohne Strafe, denn das verträgt sein zartes Seelchen nicht!

So begannen Regine und ich unser Training mit Cooper.

Wir trainierten erst ein Kinntarget – der Hund war begeistert! Sein liebstes Futter und kein Druck.

Dann konnte ich bereits nach wenigen Tagen Training anfangen Coop zu erklären, dass er mich mit diesem Signal steuern kann. Legt er also sein Kinn auf mein Bein, beginnt die Behandlung (auch unangenehmer Art), hebt er sein Köpfchen aus dem Signal, hört sofort die Manipulation an ihm auf! Das Spielchen fand er noch besser! Plötzlich freute er sich riesig auf unsere täglichen Behandlungen: Ohren reinigen und bandagieren, Augentropfen, Zahnkontrollen usw.

Nach bereits drei Wochen intensivem Training hatte Coop seinen nächsten Termin zur Akupunktur. Die Termine zuvor waren ein Graus! Wir haben mit größter Mühe versuchen müssen den Hund ruhig und bei Laune zu halten. Insgesamt eine nervenaufreibende und stressige Situation.

Nun das das völlig anders aus. Ich empfing unsere Therapeutin, wies sie in den neuen Gebrauch des Hundes ein, bereitete die Liegefläche und die Futtertasche vor. Cooper war sowas von bereit! Er lag bereits auf seiner Decke, als ich noch mit dem Füllen der Futtertasche beschäftigt war. Sobald ich saß erhielt ich ein promptes Kooperationssignal und so starteten wir. Das absolute Highlight dieser Behandlung – wir konnten sogar Akupunkturnadeln setzen! Was für ein Glücksmoment!

Und es folgten weitere großartige Momente: kürzlich haben wir eine Allergiebehandlung bei einer, für Cooper, völlig fremden Person begonnen. Nach einer kurzen Einweisung konnte sie ihn völlig normal untersuchen!

Das wäre vor einem halben Jahr nicht einmal in unseren Träumen denkbar gewesen! Doch dank Regines unermüdlicher Unterstützung haben wir für unseren Hund und uns alles verbessern können. Oft mussten wir beim Training lachen, wenn Regine diverse Verrenkungen vor dem Hund gemacht hat, um alle möglichen Reize zu üben. Cooper und ich konnten es uns dabei auf einem Deckchen gemütlich machen – so macht Training Spaß! 

Ingrid S., Neumünster

Pferde einsprühen

Huch-Monster-Alarm

Die Sprühflasche, das Huch-Monster

Hoffnung für Teams mit einem professionellen „Ich-bin-dann-mal-weg“-Tier.

Als wir anfingen zu trainieren, kam ich mit der Sprühflasche in der Hand nicht einmal in DCs Nähe.

Der Anfang unseres Trainings hatte streng genommen kaum etwas mit Einsprühen zu tun. Ich hielt Sprühflasche am angewinkelten Arm vom Pony weg auf Pferdeschulterhöhe in 5 Metern Abstand.

Und habe das Sprühgeräusch noch simuliert. Pfffffffft. Ich war nur froh, dass mir dabei niemand zugesehen hat. Fußbreite um Fußbreite näherte sich die Sprühflasche dem Pony an. Pffffffft.

Danach ging’s recht fix. Die ersten vorsichtigen Sprühstöße gingen in die entgegengesetze Richtung, bis wir parallel zu DCs Alabasterkörper sprühen konnten. Danach über DCs Rücken hinweg Richtung Kruppe. Da schwebte immerhin schon ein bisschen Nebel auf den Ponykörper herab. Die ersten echten Sprühstöße mit Fellkontakt akzeptierte das Pony dann bald darauf der Schulter knapp hinter dem Widerrist.

Nun ist, wie man im Video sieht, der Bereich auf 7 – 8 Uhr* immer noch hellgelb.


* Ihr kennt doch sicher die Uhrenübung von Nina Steigerwald? Mit dem Ponypo auf 12 Uhr, die Nase zeigt zur 6?

Nebenjob als Nadelkissen: Akupunktur in Freiarbeit

Nebenjob als Nadelkissen

Akupunktur in Freiarbeit

Ziel der Übung: Pony steht neben der Nähmaschine und hilft als Nadelkissen aus, während ich ihre Ekzemdecken flicke; schließlich quäle ich mich FÜR SIE mit Nadel und Faden herum.

Spaß beiseite. Ernst, komm her: Dísa hat über einen Mix aus positiver Verstärkung und klassischer Konditionierung gelernt, sich von THP Brigitte Wiener freistehend sechs bis acht Nadeln pro Session setzen zu lassen – eine tolle Leistung für ein Rassepony aus der Edel-Zuchtlinie „HandleMeNot“.

Vorbereitung auf die Augenuntersuchung

Du hast da was im Auge…

Mit dem Körpertarget „Auge“ als Kooperationssignal gibt das Pony sein OK, am Sehorgan behandelt zu werden und dabei still zu halten.

Wozu ist das gut?

Zur ungestörten Reinigung. Zur Verabreichung von Augentropfen ins Auge statt auf die Ganasche.

Und wenn sich der TA dem Auge mit Instrumenten nähert (z.B. einer Pinzette zur Fremdkörperentfernung) kann freiwillige Mitarbeit den entscheidenden Beitrag leisten, das Augenlicht zu erhalten.

Kurz erclickert: Fieber messen bei Miss Rührmichnichtan

Heute hecklastig

am anderen Ende des Ponys

Schöner Rücken….schöner Po ebenso, ja? Aus gegebenem Anlass zäumen wir das Pony von hinten auf und beschäftigen uns mit einem Verhalten, das wir seit mittlerweile zwei Jahren sehr erfolgreich vor uns herschieben, dem Fieber messen. Zugegeben, es gibt schönere Themen, aber wat mut, dat mut.

DCs Intimsphäre ist einer der wenigen unzugänglichen Bereiche, die aus ihrer generalisierten „Fass-mich-nicht-an“-Zeit noch übrig sind. Wir üben zunächst Schweifrübe locker lassen, dann „öddeliges Gefühl an der Rosette“ (nichts für Zartbesaitete – als Werkzeug dient der behandschuhte Finger), zum Schluss das Thermometer, im Vergleich zum Finger ja sehr schlank, also halb so wild. Nun ja. Das hübsche Drogeriemarkt-Instrument zeigte übrigens 37,7° Innentemperatur bei 33,5° Außentemperatur.