Markertraining – dein Trainings-Plus für Pferd und Mensch
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Riverdance mit Pferd

Theoriealarm: Toolbox auf für den Riverdance

Erinnert ihr euch an den Riverdance mit Pony? Wir hatten uns seinerzeit aus den 500 tierfreundlichen Trainingswegen den Weg Nr. 473 ausgesucht.

Was, wenn ich nun nicht den Weg Nr. 473 gehen möchte, weil… wasauchimmer, z.B. mein Pferd keine Schulter hat fürs Körpertarget (vergl. Beiträge zum genetic horse tuning)?

Man könnte sich auch auf alternativen Wegen dem Ziel nähern. Was für wen wie sinnvoll ist, mag jeder nach individueller Ausgangslage und Gestaltungsmöglichkeit selbst entscheiden.

Ich könnte das Verhalten aufbauen über…

Targettraining

Ich benutze ein bereits vorhandenes Target für den Aufbau des Verhaltens. Zu dieser Gruppe gehört der Weg Nr. 473 mit seinem Schultertarget.

Dazu gehört ebenfalls der Weg Nr. 442, der ein Huf-Bodentarget einsetzt. Oder der Weg Nr. 443, der mit zwei Huf-Bodentargets arbeitet. Oder Weg Nr. 455, der das Verhalten über ein Karpaltarget aufbaut, gewürzt mit einer guten Prise Shaping. Oder, oder, oder.

Locken

Ich locke das Pony mit einem attraktiven Reiz (kann alles Mögliche sein, was das Pony toll findet und sich technisch ins Training einbauen lässt) in Richtung des gewünschten Verhaltens – je dichter dran, desto besser.

Wie sähe das praktisch aus? Konkret locken lässt sich nur der Kopf. Weitere Körperteile folgen mehr oder weniger notgedrungen hinterher. Ich bringe den Kopf also in eine Position, die aufgrund der physiologischen Möglichkeiten eines Pferdes dazu führt, dass das Pony mit gekreuztem Außenbein dasteht. Das müsste irgendwo links außen an einer Stelle sein, die nicht automatisch dazu führt, dass das Heck herumschwenkt. Hm. Machbar, aber nicht ganz einfach. Ich wäre neugierig auf ein Video, falls es jemand mal versucht.

Shapen (Formen, frei oder assistiert)

Ich warte wieder (s.o.), reglos, wohlgemerkt, um nicht versehentlich falsche Signale an das Pferd zu senden, aber diesmal nicht, bis ich das fertige Verhalten sehe, sondern mir reicht eine allererste, winzig kleine Bewegung in die richtige Richtung. C+B. Und dann die nächste, winzig kleine Bewegung in die richtige Richtung. C+B. Und die nächste. C+B. Und die nächste. Da capo al fine… Bis man irgendwann am Ziel ist.

Das ist durchaus sinnvoll, wann immer mir keine anderen, schnelleren Methoden mit weniger Nebenwirkungen* einfallen. Das ist ebenfalls sinnvoll fürs Finetuning von Verhalten. Aber möchte ich das arme Pony wirklich von Null bis zum Tanzen shapen, wenn es nicht nottut? Auf diesem langen Weg lauter halbgare Verhalten verstärken, die mir das Pony später immer mal wieder anbieten wird? Heiße Dates mit Richard Herrnstein (Matching Law*) haben so ihre Vor- und Nachteile. In diesem Falle überwiegen die Nachteile massiv.


* Für die Nebenwirkungen ist der Apothekerteil in mir zuständig, richtet sich zu voller Größe auf und rezitiert:

Löschungstrotz – ist der (emotional eher unschöne) Grund, warum es beim Formen überhaupt vorwärts geht
Matching Law – jeder einzelne Zwischenschritt wird mit einer Wahrscheinlichkeit wieder auftreten, die direkt proportional zur Menge des Verstärkers ist, die für den jeweiligen Schritt verabreicht wurde

Modeln

Dazu nehme ich das Bein des Pferdes und setze es an die gewünschte Stelle. C+B (Aküfi für Click und Belohnung).

Das wiederhole ich. Oft. Sehr oft. So oft, bis das Pony (hoffentlich) den mentalen Transfer schafft, aus einer passiven Bewegung eine aktive zu machen. So steht’s im Buch. Man sieht gleich, wo hier der Pfeffer am Hasen klebt.

Nichtsdestotrotz hat das Modeln in der Vergangenheit x-fach gut funktioniert je nach Zielverhalten – und auch nach Tierart. Für andere, kleinere Tierarten als ausgerechnet das Pferd bietet es sich viel eher an.

Mimikry (Copycat)

Aaah, auf dem Papier ist das ganz simpel. Ich mach’s dem Pony vor, und das Pony macht es nach. Oder ein anderes Pony, das den Trick schon kann, macht es vor. Tatsächlich funktioniert das Nachahmungslernen bei Herdentieren besser, als es auf den ersten Ton klingt.

Wie man sieht, lohnt es sich, über verschiedene Trainingswege nachzudenken und sich den schlanksten herauszusuchen, nicht nur dem Pony zuliebe.

Einfangen

Sehr elegant. Ich beobachte das Pony, warte, bis es durch Zufall die Vorderbeine kreuzt, und CLICKE!

Aber.

Das kann laaaaaaange dauern. Man braucht halt Geduld, und ganz viel Zeit in physischer und mentaler Trainingsbereitschaft in der Nähe des Pferdes, um auf genügend Wiederholungen zu kommen, damit das Pferd das Verhalten irgendwann absichtlich zeigt und nicht nur durch Zufall. Immerhin. Wenn es dann soweit ist, habe ich direkt das Endverhalten. Viel Glück und Ausdauer!

Happy training!

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