Sesam, öffne dich!

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Medical Training Maulspritze

Sesam, öffne dich!

Oder: Begeisterung für die Maulspritze

Weil’s kürzlich Thema war, haben DC und ich die Maulspritze trainiert. Wie jeder Pferdemensch weiß, besitzt man ja automatisch 2 Pferde: ein linkes und ein rechtes. Die Experten sagen, dass das mit den Hirnhälften zu tun hat. Und diese beide Pferde kennen sich zwar, tauschen Informationen aber nur unzureichend untereinander aus.

So hatten wir vor ein paar Tagen die große Freude, mit der „rechten DC“ zu trainieren, was die linke schon kann: Aktive Mithilfe bei der Gabe einer Maulspritze.

Von all den möglichen Trainingswegen waren die großen Meilensteine unseres (zweiten) Weges:

  1. Stillhalten, wenn die Spritze das Maul berührt
  2. Still stehen bleiben und die Lippen leicht öffnen, wenn die Spritze das Maul berührt
  3. Die Lippen öffnen und still stehen bleiben, wenn die Spritze ins Maul geschoben wird
  4. Still stehen bleiben, wenn aus der Spritze etwas Luft ins Mäulchen gepustet wird
  5. Still stehen bleiben, wenn etwas Wasser ins Maul gespritzt wird
  6. Still stehen bleiben, wenn Wasser mit ein paar Bittertropfen ins Maul gespritzt wird
  7. …. weitere Reize trainieren bis zum Ziel-Geschmack (z.B. Wurmkur)

Um dem Pferd zu erklären, dass ganz verschiedene Geschmäcker aus der Maulspritze kommen können, brauchen beileibe nicht alle Geschmacksrichtungen „eklig“ zu sein. Hilfreich ist, eine möglichst große Vielfalt zu trainieren. Das nennt man „Generalisierung“.

Für ein 30-Reize-Training „Maulspritze“ könnte ich mir folgende Spritzenfüllungen vorstellen:

  1. Luft
  2. Warmes Wasser
  3. Kalter Wasser
  4. Verdünnter Leinsamenschleim
  5. Verdünnter Minztee
  6. Normaler Minztee
  7. Verdünnter Kamillentee
  8. Normaler Kamillentee
  9. Verdünnter Brennesseltee
  10. Normaler Brennesseltee
  11. Verdünnter Thymiantee
  12. Verdünnter Malventee
  13. Verdünnter Hagebuttentee
  14. Verdünnter Fencheltee
  15. Verdünnter Kümmeltee
  16. Verdünnter Birkenblättertee
  17. Verdünnter Mariendisteltee
  18. Verdünnter Misteltee
  19. Verdünnter Löwenzahntee
  20. Verdünnter Schafgarbentee
  21. Verdünnter Spitzwegerichtee
  22. Verdünnter Ackerschachtelhalmtee
  23. Verdünnter Liebstöckeltee
  24. Verdünnter Apfelsaft (ohne Zuckerzusatz, Bioqualität)
  25. Verdünnter Reibeapfel
  26. Verdünnter Karottensaft (ohne Zuckerzusatz, Bioqualität)
  27. Verdünnter Rote-Bete-Saft (ohne Zuckerzusatz, Bioqualität)
  28. Stark verdünnter Ingwertee
  29. Aufgeschlemmtes Grünalgenpulver
  30. Aufgeschlemmtes Bentonit/Montmorillonit
  31. Salzlösung 1%
  32. Verdünnte Kieselgur
  33. Ups…zu weit gelaufen… schadet aber auch nicht.

Entscheidungsfreiheit fürs Pferd

Entscheidungsfreiheit

Gilt das auch fürs Pferd?

Wie viel bedeutet Entscheidungsfreiheit für ein Lebewesen? Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit?

Man kann sehr spannende Stunden damit verbringen, diese oder ähnliche Begriffe nachzuschlagen. Und sich zu fragen, ob sie vielleicht auch etwas mit dem eigenen Pferd zu tun haben?

Tatsächlich bekommt Entscheidungsfreiheit vor allem im Medical Training eine eminente Bedeutung, bringt sie doch häufig den Umschwung von „geht gar nicht“ zu „okay, machen wir“.

Die Rede ist vom so genannten Kooperationssignal. Eine hoch verdiente österreichische Kollegin, Anna Oblasser-Mirtl, nennt es auch das „Ich-bin-bereit“-Signal. Es dient dazu, die Kommunikation zwischen Tier und Mensch zu erleichtern. Mit Hilfe des Kooperationssignals kann der Mensch sehr viel leichter erkennen, ob das Pferd bereit ist, eine unangenehme oder gar schmerzhafte Prozedur auszuhalten.

Die eigentliche Grundlage des Kooperationssignals ist, dass das Pferd Mitspracherecht bekommt. Es ist der Situation nicht länger hilf- und dank zum Teil einschneidender Maßnahmen (Cross ties, Nasenbremse, Zwangsstand, Sedierung) wehrlos ausgeliefert.

In dem Augenblick, in dem das Pferd die Möglichkeit bekommt, „nein“ zu sagen, verändert sich seine Welt erdrutschartig. Es kann selbst entscheiden, mitzumachen. Diese oft vernachlässigte Selbstwirksam ist häufig der Schlüssel zum Erfolg: denn von Haus aus kann ein Pferd durchaus Schmerzen aushalten. Mit dem Kooperationssignal entscheidet es sich aktiv und bei vollem Bewusstsein: „Ja, das kann ich.“ Die direkte Folge davon ist weniger Stress, weniger Angst, und mehr Sicherheit für alle, da es sich nicht länger wehren muss gegen etwas, das es nicht will. Denn es macht freiwillig mit.

Ich plädiere für Medical Training. Dem Pferd zuliebe.

Quält dich in tiefster Brust das harte Wort „du MUSST“,

so macht dich eins nur still, das stolze Wort „ich WILL“.

Beliebter Poesie-Alben-Spruch. Damals. In meiner Kindheit.
Nicht viel Platz auf der Zweibeinwippe

Schaukelpferd XS

Vereinte Gegensätze

Die Steigerwald.T Pferdewippen sind eine unserer unzähligen Leidenschaften im Training, was unter anderem daran liegen mag, dass Markertraining echte Qualitätszeit ist. Findet DC offenbar auch, denn sie hält tagtäglich mit Adleraugen Ausschau nach ihrer Trainerin und kommt laut brummelnd „richtig aus sich heraus“ vor Freude, wenn ich ENDLICH am Stall auftauche.

Aber das Thema war ja eigentlich etwas, das sich liest wie ein Kinderbuchtitel: „Das kleine Schaukelpferd“. Was soll das sein?

„Schaukelpferd“ ist klar – das ist unser interner Ausdruck für die Wipptechnik „Wippwapps“. Und mit „klein“ ist in diesem Falle die Wippe gemeint. Die Zweibeinwippe T-2BW hat eine Standfläche von 80 x 30 cm. Ist ja eigentlich auch nur für 2 Hufe gedacht. Doch das versierte Turnpony stellt sich auch mit allen Vieren auf die Wippe.

Allerdings beschränkten sich unsere Wipper bislang auf Crunches auf der kleinen Wippe. Denn durch die winzige Standfläche braucht das Pony erkleckliche Körperspannung, um sich „unterständig“ auf dem wackeligen Gerät zu halten.

Nun sind die Wippwapps aber eine Übung, bei dem die Rumpfmuskulatur in der Ober- und Unterlinie abwechselnd an- und entspannt. Entsprechend friggelig ist es für das Pony, diese scheinbar gegensätzlichen Prinzipien auf der XS-Wippe miteinander zum Schaukelpferd zu vereinen. Eine feine Tüftelaufgabe fürs Kleinhirn und die angeschlossenen Muskelpartien.

Steigerwald.T-1500

XXXXL Weihnachtsgeschenk

Wippen im Doppelpack

Was gibt’s dieses Jahr zu Weihnachten? Eine Steigerwald.T-1500.

Warum reichen denn nicht die T-2000, die T-2BW (Zweibeinwippe) und der Dreiachsentrainer (T-Oval)?

Keine zwei Geräte aus der Steigerwald.T-Fitness-Serie bewegen sich (und damit das Pferd) gleich. Jede Wippe hat ihr ganz charakteristisches Verhältnis von Kufenlänge, Kufenhöhe und Standfläche.

Die T-1500 ist super für die Übung „Schaukelpferd“. Mit Gummimatten als Unterlage wippt sie „mittelschnell“, und DC schnauft hörbar. Macht man die Wippe schnell durch eine hölzerne Unterlage, werden die Wippwapps flüssiger und etwas weniger anstrengend, dafür schwieriger gezielt zu kontrollieren.

Ein hübsches Goodie: Über das Weihnachtswunder freut sich auch Busenfreund Skorri alle vier Beine aus. Denn auch der schicke Islandwallach rackert auf der Wippe für ein kräftiges Sixpack und wippt mit großem Enthusiasmus, aber bislang konnte halt immer nur ein Pferd wippen.

Nun ist das „ICH-ZUERST!!!“-Thema aus der Welt. Das Traumpaar wippt im Doppelpack. Und wir können uns gepflegt dem Tuning der B-Note widmen.

Frohe Isi-Feiertage

Signalkontrolle Flehmen

Lippe riskieren…?

Lohnt es oder lohnt es nicht?

Die Frage stellt sich DC regelmäßig, seit ich nach vier Jahren Wartezeit eine seltene Gelegenheit ergriffen hatte, das Flehmen bei ihr einzufangen.

Einzufangen? Klingt recht martialisch, ist aber nur ein Fachausdruck dafür, ein zufällig gezeigtes Zielverhalten zu verstärken – ähnlich wie beim Einfangen eines goldenen Moments mit einem Fotoapparat.

Da DC fast nie flehmt, sich dieses Verhalten auch nicht durch Geruchstrigger oder Lippe kitzeln auslösen ließ, hatten wir den Lippenroller all die Jahre nicht im Programm.

Kein Wunder also, dass ich die Gelegenheit mit beiden Händen beim Schopfe gepackt habe, als DC bei einem Inhalator-Test mehrfach nacheinander flehmte. Click! Wohl wissend, welchen „Pferdefuß“ wir uns durch das Einfangen einfangen. Denn ähnlich wie beim geshapten Verhalten bekommt das Pferd spontan den Eindruck, dass das neue Verhalten IMMER gut ist. So scheint es ja zunächst auch zu sein. Wie viele Pferde leben dauerhaft in diesem Irrglauben und spulen ihr gesamtes Repertoire bis zum Umfallen ab, sowie ein Mensch in der Nähe ist? Und werden nicht selten rappelig dabei. 

Um DC diesen Frust, sich nutzlos abzurackern, künftig zu ersparen, haben wir ein Geheimzeichen fürs Flehmen vereinbart: Ein Doppelclick auf die Oberlippe mit einem himmelwärts weisenden Arm. Nun kann sie ganz entspannt abwarten, bis „Flehmen“ wirklich dran ist, ohne stundenlang blind herumprobieren zu müssen. Click!

Nerventraining - Hunde

Nerventraining unterwegs

Medical Training für feine Ohren

Jedes Umfeld bringt eine Vielzahl von Vor- und Nachteilen mit sich. Unsere direkte Umgebung ist besonders wertvoll für Ponys, denen Nervenstärke nicht direkt mit in die (Heu)Krippe gelegt wurde.

Unser Alltag beschenkt uns großzügig mit Situationen, in denen RUHE BEWAHREN das vorrangige Trainingsziel ist. Wir lern(t)en, die Ruhe zu bewahren, wenn

  • Sportwagen unsere Land(-Schnell-)Straße mit dem Nürburgring verwechseln
  • Motorgleitschirmflieger ihre Tiefflugübungen direkt über dem Stallgelände durchführen
  • gigantomanische Ackermonster die Ponys von vier Seiten bedrohen
  • übermütige Quad-Racer über die benachbarten Äcker pflügen
  • Hochmotivierte Schutzhunde das Gelände neben dem Fußweg gegen zwei- und vierbeinige Passanten verteidigen

Nach unserem Einzug seinerzeit waren wir eine ganze Weile stark eingeschränkt im Hinblick auf unsere Ausflugsziele. Mit einer Mischung aus klassischer und operanter Konditionierung haben wir uns das zivilisierte Umfeld erschlossen. Mittlerweile hat unser Einzugsgebiet einen Durchmesser von fast 20 km. Training macht’s möglich.

Steigerwald.T-Oval

HerumgeEiert: Geschicklichkeit auf dem Dreiachsentrainer

Instabilität in alle Raumrichtungen

Auf dem Wackelbrett für Pferde trainieren unsere Vierbeiner gleichzeitig Stabilität und Mobilität, was zum Beispiel auch beim Reiten wichtig ist, um orthopädischen Problemen vorzubeugen.

Wie beim Wackelbrett aus dem humanen Reha-Bereich besteht das Steigerwald.T-Oval (AKA Dreh-Ei) aus einer ovalen Standfläche von ca. 120 x 80 cm, die auf einer kleinen Eichenholz-Halbkugel mit etwa 15 cm Durchmesser fest montiert ist. Durch die gewaltige Hebelwirkung, die die vergleichsweise große Standfläche ausübt, ist das Gerät so instabil, dass man das Oval für den Erstkontakt mit dem Pony idealerweise in den Boden eingräbt.

Mit den allmählich wachsenden propriozeptiven, muskulären und neuronalen Fähigkeiten kann man das Dreh-Ei Stück für Stück anheben, „entbremsen“ sozusagen, bis das Pony schließlich mental und körperlich in der Lage ist, das frei schwingende Gerät gefahrlos zu betreten und zu kontrollieren.

Dabei sind wir kürzlich der Frage nachgegangen, wie viele Turner gleichzeitig auf einem T-Oval trainieren können. Wir kamen auf vier:

Steigerwald.T-Oval im Belastungstest
Augentropfen mit Kooperationssignal

Wenn’s ins Auge gehen soll

Medical Training als Alternative zur Nasenbremse

Medical Training statt Nasenbremse

Lange geht es gut, doch dann trifft’s einen doch: die Pferdeaugen sind entzündet. Und entzündete Pferdeaugen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Tierarzt kommt, verschreibt Tropfen oder eine Salbe, um das Augenlicht des geliebten Vierbeiners zu erhalten. So weit, so hoffnungsvoll.

Doch von Haus aus ist dem Pferd nicht klar, wie wichtig die Therapie ist, dass es womöglich seine Sehkraft und seine Augen verlieren könnte, wenn die Entzündungen nicht ausheilen. Die Augen sind lichtempfindlich, sie schmerzen – und nun kommt der Mensch, und will kaltes, nasses Zeug in die geschundenen Augen schmieren. Nur wenige Pferde lassen so eine Prozedur klaglos über sich ergehen.

Dem mitfühlenden Menschen blutet das Herz, wenn er aus der Not heraus gezwungen wird, zu Zwangsmaßnahmen zu greifen. Und denkt spätestens jetzt über Alternativen nach. Zum Glück führen viele Wege zum Ziel.

Ein möglicher Weg von grob geschätzt 500 kann sein, dem Pferd beizubringen, den Kopf auf der Schulter des Menschen abzulegen als Signal, dass es bereit ist für die Medikamentengabe.

Freiwillige Mitarbeit statt Gegenwehr und Zwangsmaßnahmen – eine Erlösung für alle Beteiligten.

Exmoor Ponyhengst Nio

Jungpferde-Training: Hufe

Vom Wildpferd zum Musterschüler

Die Geschichte von Exmoor-Ponyhengst Nio. Seine Besitzerin schrieb mir über ihren im Sommer 2020 frisch erworbenen Schützling:

„Der eineinhalbjährige Exmoorponyhengst Sean, Rufname Nio („der Fröhliche“ auf keltisch), kam im Naturpark Solling zur Welt. Das erste Lebensjahr verbrachte er halbwild im Familienverband. Am 15. Juni 2020 kam er zu uns in die Zivilisation. Seine Erfahrungen mit Menschen bis dahin waren wohl sehr übersichtlich: Zweimal Fanggitter zum Chippen und zum Brennen noch im gleichen Sommer, dann eine Inspektion durch die Exmoorpony-Society im Herbst. Vermutlich gab es auch Transporte in der Gruppe zwischen den Weiden. Die Fahrt zu uns in den Norden hat er allein im grossen Transporter hinter sich gebracht. Generell tendiert er dazu, auf unangenehme Situationen mit Abwehr statt mit Flucht zu reagieren. Er hat in der Vergangenheit gelernt, dass man sich Menschen mit Zähnen und Hinterhufen ganz gut vom Leib halten kann. Ich habe mit ihm bisher Halfter – und Führtraining gemacht. Seine einzige Tierarzt-Erfahrung bislang war das Chippen, und Hufpflege kennt er noch gar nicht.“

Katja T., Boostedt

Auf seine ersten Erfahrungen mit dem Clickertraining reagierte der kleine Nio hervorragend. Nachdem wir ein passendes Futter gefunden hatten, das ihm schmeckt und er mit seinen Milchzähnen gut kauen kann, bestanden die ersten Trainingsschritte darin ihm zu erklären, sich friedlich und entspannt von (fremden) Menschen anfassen zu lassen.

Demnächst findet ihr in unserem Blog einen ausführlichen Bericht über Nios Weg vom Hufeschleuderer zum vorbildlichen Hufegeber und von seiner ersten Hufbearbeitung.

Für diejenigen, die mehr über Nios Rasse erfahren möchten: Informationen zum deutschen Zweig der Exmoor-Ponyzucht findet ihr auf der Homepage des Vereins.